
Der Asphalt glüht, die Luft flimmert vor Hitze – mit Hitzewellen und ihren Folgen für Menschen und Umwelt ist die Klimakrise längst zur realen Gefahr für Menschen in Europa geworden. In diese Realität drängt sich zeitgleich ein massiver Ausbau von Rechenzentren, der die Klimakrise weiter befeuert. Er ist getrieben durch den globalen Boom künstlicher Intelligenz (KI) und von Regierungen, die glauben, beim digitalen Wettrüsten mithalten zu müssen.
Viele Tech-Konzerne verkaufen KI als Lösung für die Klimakrise, während sie die Kliamschäden aufgrund der dafür notwendigen Rechenzentren kleinreden: Amy Luers, zuständig für Nachhaltigkeitswissenschaften und Innovation bei Microsoft, behauptete beispielsweise in der Fachzeitschrift Nature, dass ohne künstliche Intelligenz emissionsfreies Wirtschaften nicht möglich sein wird. Auch Google beschwört, dass KI einen transformativen Effekt auf den Klimafortschritt auslösen und dabei sogar noch helfen könne, Treibhausgasemissionen einzusparen.
Bei näherer Betrachtung entpuppen sich diese Behauptungen als heiße Luft: Eine Studie von Beyond Fossil Fuels und AlgorithmWatch zeigt, dass nur ein Viertel der untersuchten Aussagen überhaupt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren - mehr als ein Drittel der Aussagen hat dagegen überhaupt keine Quellen und Belege.
Diskussionen über künstliche Intelligenz drehen sich oft um die Frage, wie sie sich auf unsere Gesellschaften auswirkt. Doch ein wichtiger Aspekt rückt nur langsam in das öffentliche Bewusstsein: Welche Konsequenzen hat der Einsatz und der Ausbau von KI auf unsere Umwelt und die Klimakrise?
Kritiker*innen warnen seit langem vor dem immensen Strom-, Flächen- und Wasserverbrauch der Anlagen, die für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Systemen notwendig sind: Rechenzentren. Dennoch diskutiert die Politik nur die wirtschaftlichen Chancen. Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht in Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz einen potentiellen Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. Die Bundesregierung will darum im großen Stil den Bau von Rechenzentren ermöglichen. Bis 2030 soll sich die Gesamtkapazität der Rechenzentren in Deutschland verdoppeln. Die Kapazität für das Hochleistungsrechnen, also spezielle Rechenleistung für unter anderem KI, soll sich sogar vervierfachen.
Umwelt- und Klimafolgen scheinen dabei für die Bundesregierung keine große Rolle zu spielen. Eine Übersicht zum Ausbau der Rechenzentren gibt es nicht – und auch Daten zum Ressourcenverbrauch der bestehenden Rechenzentren gibt es entgegen gesetzlicher Verpflichtungen kaum. Auch im staatlichen Energieeffizienzregister für Rechenzentren ist nur ein Bruchteil der bestehenden Rechenzentren mit ihren Verbrauchsdaten gemeldet.
Heiße Luft macht sichtbar, wo neue Rechenzentren entstehen sollen und wie sich der KI-Boom auf Klima und Umwelt auswirkt.
Stromfresser: Fossile lieben Rechenzentren

Mit dem ununterbrochenen Betrieb tausender Server, deren Kühlung, Notstromsysteme und Netzwerktechnik verbrauchen Rechenzentren enorme Mengen an Energie:
- Ein Rechenzentrum mit 54 MW Leistung, beispielsweise das geplante Rechenzentrum FRA02 Campus in Frankfurt, würde so viel Strom wie 180.000 Menschen (80.000 Haushalte), oder ungefähr so viel wie die Großstadt Paderborn verbrauchen.
- Im Jahr 2025 verbrauchten Rechenzentren in Deutschland rund 21 TWh Strom. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch mittelgroßer Bundesländer, wie Hessen oder Rheinland-Pfalz.
- Global verbrauchen Rechenzentren schon jetzt ungefähr so viel Strom wie alle Menschen in Deutschland zusammen.
Der wesentliche Grund für den rasanten Ausbau der Rechenzentren ist das Aufkommen von KI-basierten Text-, Bild- und Videogeneratoren und neuen darauf aufbauenden Anwendungen wie beispielsweise KI-Agenten. Solche KI-Modelle benötigen für die Entwicklung und den laufenden Betrieb immense Rechenleistungen. Laut diverser Schätzungen, beispielsweise von Greenpeace, dem Versicherer Allianz Trade oder der Unternehmensberatung Bain and Company, machen KI-Anwendungen schon heute 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs und der Kapazität von Rechenzentren aus. Bis 2030 wird der Anteil gemäß dieser Studien bereits bei 40 bis 50 Prozent liegen.
Der Energiehunger der KI-Fabriken wird durch immer mehr Gaskraftwerke gestillt. Und selbst wenn Rechenzentren ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben werden, fehlt diese Energie dann in anderen Bereichen. Das verlangsamt den Ausstieg aus fossilen Energiequellen.
Obwohl Rechenzentren in Deutschland laut Gesetz mindestens zur Hälfte mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden müssen, planen Investoren die Errichtung von Gaskraftwerken, die ausschließlich neue Rechenzentren mit Energie versorgen sollen: Immer häufiger sollen neue Rechenzentren ausschließlich dank neuer Gaskraftwerke und ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz in Betrieb gehen – beispielsweise in Maintal und Birstein.
Durch den KI-Boom wird der Energiehunger der Rechenzentren zu einem strukturellen Treiber der Stromnachfrage, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verstetigen droht: Jedes zehnte neu geplante Gaskraftwerk soll zukünftige Rechenzentren versorgen – das zeigen Daten des Global Energy Monitor (GEM).
Wir haben deshalb den Stromverbrauch der geplanten Rechenzentren prognostiziert. Mehr zu unserer Methodik findest du hier.
Der Ausbau von Rechenzentren ist eine lebensverlängernde Maßnahme für die fossile Industrie. Denn Rechenzentren werden entweder direkt mit fossilem Gas betrieben oder indirekt durch das immer noch teils fossile Stromsystem. Dadurch droht uns diese ‚Zukunftstechnologie‘ energiepolitisch in die Vergangenheit zu katapultieren – zurück in eine jahrzehntelange Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Auf der Karte kannst du die geplanten Gaskraftwerke mit einblenden — dadurch wird der Zusammenhang zwischen Gasausbau und Rechenzentren sichtbar.
Big Tech fordert, die Politik liefert

Laut geltendem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) müssen in Deutschland Rechenzentren ihren Stromverbrauch seit 2024 zur Hälfte und ab 2027 vollständig aus erneuerbaren Energien decken – zumindest auf dem Papier, denn diese Regelung gilt nur „bilanziell". Dank dieses Schlupflochs können Betreiber ihre Bilanz schön-rechnen: Mit zugekauften Ökostrom-Zertifikaten können sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, selbst wenn sie in der Realität ihr Rechenzentrum ausschließlich mit Energie aus Gaskraftwerken betreiben.
Doch selbst diese schwache Regelung will die Bundesregierung in der geplanten Novelle des EnEfG stark aufweichen: Das Zieldatum für die hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien – weiterhin nur „bilanziell" – soll auf 2030 verschoben werden. Diese Änderung reiht sich ein in eine Reihe weiterer Abschwächungen des Energieeffizienzgesetzes, alle im Sinne von Big Tech: So sollen die Veröffentlichungspflichten für Betreiber von Rechenzentren stark eingeschränkt werden, die Abwärme muss nicht mehr zwingend genutzt werden und auch die Kühlung soll in Zukunft mehr Energie verschwenden dürfen. Diese Veränderungen zugunsten der Betreiber der großen Rechenzentren sind kein Zufall. Laut einer Recherche von LobbyControl und Campact haben Konzerne wie Microsoft und Google maßgeblichen Einfluss auf die Abschwächung der Vorgaben genommen. Teilweise finden sich Vorschläge der Konzernlobby wörtlich in der Gesetzesvorlage wieder. Während die klimaschädlichen Auswirkungen der Rechenzentren immer offensichtlicher werden, schraubt Wirtschaftsministerin Reiche die Auflagen herunter — nur, um den Interessen der reichsten Unternehmen der Welt zu genügen.
Wasserverbrauch: Die Cloud hat Durst

Ausgerechnet dann, wenn das Wasser sowieso knapp ist, werden Rechenzentren zu Wasserschluckern. Schon heute herrscht in jedem zweiten deutschen Landkreis Grundwasserstress. Mit heißeren Sommern ist die Verschärfung bestehender Wasserkonflikte vorprogrammiert. Denn mit steigenden Außentemperaturen steigt auch der Bedarf für die Kühlung der Rechenzentren. Die Bezugsquelle für das Kühlwasser der Industrie ist in der Regel Grundwasser – das gleichzeitig auch die Haupttrinkwasserquelle der Bevölkerung ist. Während Bürger*innen in den Sommermonaten angehalten werden, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren, um die angespannten Versorgungssysteme zu entlasten, kann die Industrie und damit auch Rechenzentren normalerweise ohne Einschränkungen weiter Wasser verbrauchen.
Laut einer Studie der Gesellschaft für Informatik nutzen rund ein Drittel der großen Rechenzentren in Deutschland Verdunstungskühlung. Bei dieser Form der Kühlung wird Wasser verdampft, um die Wärme besser aus den Anlagen abzuleiten. Hinzu kommt das Wasser, das für die Erzeugung des Stroms benötigt wird. Laut der Internationalen Energieagentur IEA verbraucht ein typisches 100 MW-Rechenzentrum in den USA 2 Millionen Liter Wasser – jeden Tag.
Wie hoch der genaue Wasserverbrauch der Rechenzentren wirklich ist, bleibt wie die Kennzahlen zur Energieeffizienz dabei jedoch häufig intransparent. Auf europäischer Ebene haben Microsoft und die Lobbyvereinigung DigitalEurope erreicht, dass zuvor veröffentlichungspflichtige Kennzahlen wie der Wasserverbrauch geheim gehalten werden können. Und auch in Deutschland bestehen Probleme beim Vollzug von Veröffentlichungspflichten.
Wir zeigen auf unserer Karte, in welchen Landkreisen heute schon Grundwasserstress herrscht.
Digitale Infrastruktur für wen und für was?

Die Bundesregierung begründet ihre aggressive Strategie für den Ausbau von Rechenzentren mit der Stärkung digitaler Souveränität, Innovationskraft und Arbeitsplätzen. Doch auch diese Behauptungen verpuffen wie heiße Luft: Auch wenn die Cloud-Infrastruktur in deutschen Gemeinden angesiedelt wird, bedeutet das noch nicht, dass es sich auch um deutsche Betreiber handelt. Unsere Karte zeigt dies deutlich: Gerade bei größeren Projekten handelt es sich überwiegend um ausländische Investoren.
Genutzt werden diese Rechenzentren überwiegend von Google, Microsoft und Amazon – auch wenn sie sich häufig einmieten und rechtlich nur selten als Betreiber oder Investor in Erscheinung treten. In Europa haben diese drei US-Konzerne im Cloud-Bereich eine marktbeherrschende Stellung und kontrollieren laut einer niederländischen Studie mehr als 70 Prozent des Marktes. Und mehr Rechenzentren allein sind kein wirksames Mittel gegen die digitale Abhängigkeit von den großen amerikanischen Konzernen. Sie bleibt ein großes geopolitisches Risiko. Zudem verpflichtet der US Cloud Act amerikanische Unternehmen und deren Töchter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden – selbst dann, wenn die physischen Server und Rechenzentren in Europa stehen.
Rechenzentrumsbetreiber versprechen mit der Ansiedlung ihrer Projekte oft neue Jobs und wirtschaftlichen Aufschwung. Anders als Lagerhallen, Fabriken oder Büros dienen Rechenzentren jedoch nicht der lokalen Wirtschaft: Die Umsätze mit der Rechenleistung können überall auf der Welt erwirtschaftet werden und sind nicht an den Standort der Server gebunden. Vor Ort werden vor allem Flächen und Ressourcen verbraucht. Auch die im Vorfeld der Projekte angepriesenen Arbeitsplätze fallen oft deutlich geringer aus als prognostiziert. Laut einer Recherche von AlgorithmWatch ist europaweit oft nur ein Viertel der versprochenen Stellen tatsächlich entstanden.
Unsere Recherchen belegen, dass viele der hier gezeigten Rechenzentren von ausländischen Investoren oder den großen Big-Tech-Unternehmen geplant und betrieben werden sollen.
In anderen Ländern Europas hat sich aus der Bevölkerung erfolgreich Widerstand gegen geplante Rechenzentren formiert: ein Bau-Moratorium in Amsterdam, gestoppte Megaprojekte in den Niederlanden, ein zeitweiser Anschlussstopp in Dublin. Noch können wir verhindern, dass KI-Rechenzentren in deutschen Gemeinden die Klimakrise mit noch mehr heißer Luft anfachen.
Ich will aktiv werden - Was jetzt?
Wir haben jetzt noch die Chance, gegenzusteuern. Die meisten der geplanten Rechenzentren sind noch nicht gebaut. Wir können jetzt aktiv werden: Lokaler Widerstand wirkt.
Nutzen wir das Zeitfenster, bevor aus Plänen Fakten werden!
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Informieren, organisieren und protestieren
Nutze diese Karte, um Projekte in deiner Nähe zu recherchieren und informiere dich über geplante und bestehende Rechenzentren in deiner Region.
Mehr Informationen findest du hier: AlgorithmWatch: Leitfaden gegen Rechenzentren
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Anfragen stellen
Stelle Informationsfreiheitsanfragen über FragDenStaat.de. Du kannst Kommunen und Behörden nach Informationen zu Stromverbrauch, Wasserbedarf und Genehmigungen fragen. Beispiele für mögliche Anfragen haben wir hier für dich gesammelt. Bei Fragen kannst du dich beim FragDenStaat Climate Helpdesk melden.
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Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen
Ob ChatGPT, Claude oder Gemini, Copilot oder Perplexity – generative KI wirft massive Probleme auf: Viele Ergebnisse sind fehlerhaft und politisch problematisch, der Verbrauch von Energie und Wasser ist enorm. Zugleich sind sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. AlgorithmWatch hat eine Richtlinie entwickelt, die dabei hilft, generative KI verantwortungsvoll zu verwenden.
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So kannst du das Team von FragDenStaat kontaktierenIn manchen Fällen ist es nicht sicher genug, uns per Telefon oder E-Mail zu kontaktieren. Bevor du uns kontaktierst, lies bitte die nachfolgenden Informationen.
Grundsätzlich gilt: Bitte sende uns keine E-Mails oder Nachrichten von deiner offiziellen Adresse, von einem Arbeitsgerät oder aus dem Büro. Accounts und Geräte, auf die andere Personen Zugriff haben, solltest du nicht nutzen. In manchen Fällen solltest du auch keine privaten Mailadressen verwenden, sondern spezielle Mailadressen einrichten. Eine gute Empfehlung ist der Messenger Signal für dein persönliches Smartphone. Du kannst auch mit Signal Bilder machen, die nicht auf dem Handy gespeichert werden.
Grundsätzliche Hinweise zu rechtlichen Regelungen wie dem Hinweisgeberschutzgesetz und was es in diesem Zusammenhang zu beachten gibt, findest du bei mach-meldung.org.
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